Gemeinde Hitzhofen

Entwicklung

der Gemeinde Hitzhofen

Römischer Frauenkopf, Fund bei Oberzell

Hitzhofen und seine geschichtliche Entwicklung

Hitzhofen liegt abseits der großen Verkehrswege an den südlichen Ausläufern der Frankenalb. Die landschaftlich reizvolle Gegend ist in den Naturpark Altmühltal eingegliedert. Die Fruchtbarkeit seiner Felder verdankt es dem Lößlehm, den eiszeitliche Winde vor mehr als 100 000 Jahren auf den Fluren oft mehrere Meter hoch anhäuften.

Bereits vor 90 000 Jahren durchstreiften wandernde Jäger die Fluren von Hitzhofen. Sie gehörten der Art des "Homo sapiens" an und suchten in dem damals tundraähnlichen Gebiet nach jagdbarem Wild. Das belegen Funde aus den Flurbereichen Graßlet und Windhöhe. Schon vor 3000 Jahren wurde auch Ackerbau betrieben, wie Bodenfunde in Oberzell und im Lohegrund belegen.

Die keltische Viereckschanze bei Hofstetten und die Hügelgräber aus der jüngeren Hallstattzeit bei Oberzell belegen die weitere Besiedlung unseres Raumes bis zur Römerzeit. Bereits in vorrömischer Zeit führte eine Handelsstraße von Dünzlau über Eitensheim, Hitzhofen, Hofstetten, Pfalzpaint und Pfahldorf weiter nach Norden. In der Flur von Oberzell wurde aus römischer Zeit ein Kinderkopf aus Kalkstein gefunden, eine Bildhauerarbeit, die sich heute im Juramuseum auf der Willibaldsburg in Eichstätt befindet. An der Ortsgrenze von Hofstetten sind als geschütztes Bodendenkmal Teile der Römerstraße vom Kastell Kösching nach Pfünz erhalten.

Mit der Vertreibung der Römer durch die Alemannen in den Stürmen der Völkerwanderung begann eine neue Ära für das Gebiet um Hitzhofen. Einige hundert Jahre dürfte es nur sehr dünn besiedelt gewesen sein. Das änderte sich mit der Einwanderung der Bayern, die um 500 n.Chr. erfolgte. Hitzhofen entstand allerdings in der zweiten Ausbauphase der bajuwarischen Landnahme. Die erste Erwähnung des Namens Hitzhofen ist eng mit der Gründungsgeschichte des Klosters Plankstetten verbunden. Als einer der Zeugen erscheint nämlich in der Gründungsurkunde dieses Klosters vom Jahre 1129 auch UDALRICH DE HUTTISHOUEN. Fälschlicherweise wurde bisher immer die erste Erwähnung des Ortsnamens Hitzhofen mit dem Jahre 821 angegeben. Dieses "Hitzhofen" jedoch liegt bei Landshut und ist mit unserem Ort nicht identisch. 1144 tritt Udalrich de Huttishouen mit Frau, Söhnen und Töchtern in dieses Kloster ein. Als Mitgift vermachte er diesem 36 Leibeigene und 4 familieneigene Höfe in Hitzhofen.

Pfarrer Sandtner, der Verfasser der Chronik der Pfarrei Hitzhofen vom Jahre 1857 vermutet, dass das "Schloß" dieser Edlen von Hitzhofen im Flurgebiet "Bergstetten" (oder Bernstetten) gestanden habe. Das Flurgebiet liegt südöstlich vom Feuerwehrhaus. Der sogenannte Schloßgraben liegt allerdings etwas weiter von Bernstetten entfernt. Die Rede von einem Frauenkloster könnte eventuell mit dem Doppelkloster der Benediktiner in Plankstetten in Verbindung stehen, das in der ersten Zeit zugleich Männer- und Frauenkloster war. Möglich wäre aber auch eine Verbindung mit dem Kloster Marienstein. Im Jahre 1514 wurden die Höfe auf dem Flurgebiet "Bernstetten" vom Kloster Marienstein dem Bischof abgekauft, der sie zuvor vom Kloster Plankstetten erworben hatte. Die Abtei Plankstetten dürfte nur kurze Zeit auch die Eigentümerin der Kirche in Hitzhofen gewesen sein, nachdem sie 1373 von Konrad von Huttishouen mit Einwilligung seiner Gemahlin Adelfried an den Abt Berthold von Plankstetten zusammen mit einem Hof verkauft worden war. Bereits 1463 geht Hitzhofen in den Besitz des Fürstbischofs über.

Alte Flurnamen weisen auf eventuelle andere Höfe hin, die ursprünglich die Ortschaft umgaben: Wiccenzell, Niederzell, Pfaffenzell. Interessanterweise haben sich nur zwei Güter bis in die Gegenwart behaupten können: Das 1297 urkundlich erwähnte Gut Baumfeld und das in einer Urkunde von 1362 erwähnte Gut Mühltal. In Talmulden gelegen, konnten sie in Kriegszeiten nicht so leicht ausfindig gemacht werden. Gut Mühltal wurde erstmals 1305 urkundlich erwähnt. "Müllichthall", 1597 Mulchtall weist auf "Mull", lockere Erde hin.

In einer Urkunde vom Jahre 1362 erfahren wir von einem zweiten Hof des Gutes, den des Otto Wochrauser, den jetzt der Vasnaht bebaut. Damals gehörten auch noch die Flurgebiete "Wuest" und "Hard" zu diesem Hof. Um 1600 war der Hofbesitzer "Schmitt von Gut Mühltal" Schöffe am Ehehaftgericht Eitensheim, zu dessen Gerichtsbezirk damals auch Hitzhofen und Oberzell gehörten. Das beweist auch eine Tafel an der Außenseite der Gabrieli-Kirche in Hitzhofen, die bei der jüngsten Außenrenovierung der Kirche zutage trat, dabei aber leider beschädigt wurde. Seitdem ist der Hof durch Einheirat immer im Besitz der gleichen Familie geblieben. Der erwähnte Schöffe war Hans Georg Schmitt, der 1610 den Schafstadel des Gutes errichtete, wie eine Tafel auf dem Giebel verkündet: "1610 hat machen lassen Hans Georg Schmitt". Der Hof verfügt über altverbriefte Schafweiderechte, die früher intensiv genutzt wurden.

Gut Baumfeld hat eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. 1297 übergab der Eichstätter Bischof Reimboto dem dortigen Meier Heinrich, seiner Gemahlin Mechthild und Sohn Heinrich 30 Jauchert (ca. 10 ha) neu gerodeten Landes auf Erbrecht. 1344 erscheint ein Paebenfelder als Bürger von Eichstätt. Im selben Jahr verkauft das Eichstätter Spital seinen Besitz in Paebenfeld. 1346 gibt es Streit mit den Herren von Hofstetten: Ulrich Hofstetter und sein Bruder Heinrich vergleichen sich mit Ulrich Paebenfelder über Äcker. Es gibt fast keine Belege, wie das Gut die kommenden oft gefahrvollen Zeiten überstand. 1738 berichtet eine eichene Tafel auf dem Dachboden des alten Bauernhauses: "Georg und Catharina Bauer haben das Haus 1738 von neuem auferbauet." Ein Stück Baumfeld lebt fort in der 1981/82 errichteten evangelischen Jakobskirche in Wettstetten, die als preisgekrönter Holzbau aus dem Dachgebälk dieses alten Bauernhauses errichtet wurde. 1916 ging das Gut, das zuvor von der Familie Miehling bewirtschaftet worden war, in den Besitz des Mittelfränkischen Pferdezuchtverbandes über. 1929 kaufte Konstantin Maurer das Gutsanwesen. 

Oberzell wurde erstmals im Lehensbuch des Eichstätter Bischofs Friedrich von Öttingen (1384 - 1398) genannt. Als im Jahre 1722 die Kirche in Hitzhofen durch Gabriel de Gabrieli, dem Baumeister des Fürstbischofs, neu gebaut wird, liefert der Töpfer von Oberzell Töpfe zum Anrühren der Farben. Seine Lehmgrube befand sich damals teilweise auf dem Gelände des heutigen Parkplatzes des Sportvereins FC Hitzhofen-Oberzell. Der Name Oberzell bedeutet: das obere, höher gelegene Markland. Zell ist aus Zelg entstanden, was auf die Dreifelderwirtschaft hinweist. Zelgen waren die Teile der Ackerflur überhaupt: Sommerzelg, Winterzelg, Brachzelg.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) brachte für Hitzhofen und Oberzell viel Not, Elend und schwere Verwüstungen. Der Bevölkerungsschwund war noch lange Zeit zu spüren. So hatte Hitzhofen allein im Jahre 1602 bereits 32 Häuser, Hofstetten 52 Häuser. 1694 waren es in Hitzhofen erst wieder 22 Häuser. Im Spanischen Erbfolgekrieg waren es 1704 bayerische Truppen, die von Ingolstadt kommend, Hofstetten erbarmungslos plünderten. Sie durchschwärmten die ganze Gegend. Auch Hitzhofen, Oberzell und Böhmfeld, insgesamt 40 Ortschaften, wurden ausgeraubt und geplündert. Sie betrachteten das Fürstentum als Ausland.  1808 hatte Oberzell 19 Häuser, 24 Familien, 34 Pferde und 14 Ochsen. 1838 zählte Hitzhofen 41 Häuser mit insgesamt 51 Familien. In Oberzell lebten 1857 32 Familien in 26 Häusern.

1741 werden erstmals für alle Gemeindeteile Einwohnerzahlen genannt. In diesem Jahr zählten Hitzhofen 197, Baumfeld 15, Oberzell 76, Mühltal 15 und Hofstetten 303 Einwohner. In den Französischen Revolutionskriegen suchte im September 1796 französische Reiterei Hitzhofen heim. Dem Pfarrer Pferinger nahmen sie die Alba ab, als er ihnen entgegeneilte, um für seine Pfarrkinder Schonung zu erbitten. Dem Hiaselbauern, dem Raffelbauern und dem Wirt nahmen sie die Pferde weg, dem Lutherbauern sein ganzes Geld, das er soeben in der Schranne eingelöst hatte.

1799 mußte Pfarrer Wenauer in fremder Kleidung flüchten, um den Franzosen zu entgehen. 1805 wurde der Kirche in Hitzhofen ein Geldbetrag samt einem kostbaren silbernen Kännchen mit Lavoir geraubt.

Mit der Säkularisation 1802 kam das Gemeindegebiet unter kurfürstlich bayerische Hoheit. Von 1803-1805 stand es unter der Herrschaft von Erzherzog Ferdinand. Nach weiteren Besitzerwechseln kam es 1855 endgültig zum Königreich Bayern. Im Zuge der Neugliederung wurden Gemeinden gebildet. Dabei kam Gut Mühltal zu Oberzell, Gut Baumfeld zu Hitzhofen. Es dauerte allerdings noch Jahrzehnte, bis sich nach der Enteignung der kirchlichen Güter, der Säkularisation, das Königreich Bayern neu organisieren konnte.

1839 kamen die Landgerichte Eichstätt, Kipfenberg und Beilngries zum Regenkreis, der sich seit dieser Zeit Mittelfranken nannte. Die heutigen Landkreise bezeichnete man zu dieser Zeit als Bezirksämter.

Erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Stallfütterung der Haustiere üblich. Bis dahin waren die Tiere auf die Weiden in den Wald getrieben worden. Deshalb gab es 1741 für Hitzhofen und Oberzell z.B. 2 Roßhirten, 3 Kuhhirten und 3 Schweinehirten. Hitzhofen bildete schon früh mit Oberzell eine Weidegemeinschaft. Damals war das Gebiet der heutigen Oberzeller Lehmgrube mit einem Teil des Fußballplatzes eine Gemeindewiese. Der danebenliegende Kühweiher mußte von beiden Gemeinden als Viehtränke unterhalten und "geputzt" werden. Die Fischhaltung im Weiher war verboten.

Schulisch gehörte Oberzell schon seit den ersten Anfängen zu Hitzhofen. Erst 1675 wird das Mesnerhaus in Hitzhofen als Schule benützt. 1699 ist weder Schulhaus noch Mesner vorhanden. Das Mesnerhaus war 1754 infolge eines Sturmes eingestürzt. 1758 wurde endlich ein eigenes Schulhaus an der Stelle der heutigen Bäckerei Wittmann errichtet. Im Zuge der Verwaltungsmaßnahmen nach der Säkularisation wurde Lippertshofen dem Schulsprengel Hitzhofen zugeteilt. Aber die Kinder aus Lippertshofen kamen besonders in den schneereichen Wintern nur selten nach Hitzhofen zum Unterricht. 1859 errichtete die Gemeinde Lippertshofen ein eigenes Schulhaus. 1904/05 erfolgte in Hitzhofen der Bau eines neuen Schulgebäudes, das 1994/95 saniert und für ein Verwaltungsgebäude der Gemeinde umgebaut wurde und seither als Rathaus dient. Durch das Anwachsen der Schülerzahl infolge der geburtsstarken Nachkriegsjahrgänge wurde das bestehende Schulhaus durch einen Anbau 1960/61 erweitert. Ein neuerlicher Erweiterungsbau war 1965 notwendig. Am 23.10.1966 wurde der von Architekt Fred Weidinger aus Eichstätt geplante und von der Hitzhofener Baufirma Anton Ganser ausgeführte Erweiterungsbau durch Pfarrer Josef Maier eingeweiht. Nun konnte erstmals ein geregelter Sportunterricht im neu geschaffenen Gymnastikraum durchgeführt werden. Der FC Hitzhofen-Oberzell und ihm angeschlossene Gymnastikgruppen, auch Teilnehmer aus Hofstetten, fanden hier ebenfalls eine hochwillkommene Übungsmöglichkeit. 1969/70 wurde das 9. Schuljahr eingeführt. Gleichzeitig erfolgte eine Neueinteilung der Schulsprengel. Lippertshofen wurde wieder dem Schulsprengel Hitzhofen einverleibt. Damals wurden in Hitzhofen und Lippertshofen 312 Kinder in acht Klassen unterrichtet. Der Schulsprengel für die Jahrgänge 7 bis 9 umfaßte die Orte Schelldorf, Biberg, Dunsdorf, Kruth, Böhmfeld, Hofstetten, Lippertshofen, Hitzhofen und Oberzell, die damals in Hitzhofen unterrichtet wurden. Seit 1970 werden die Klassen 7 bis 9 in Gaimersheim unterrichtet. Im Zuge der Gebietsreform war Lippertshofen ab dem 1. Juli 1972 nach Gaimersheim eingegliedert worden. Die dortige Schule wurde Kindergarten. Seit 1973 werden die Jahrgänge 5 und 6 in Eitensheim unterrichtet. 1976/77 wurden die Schulverbände infolge sinkender Schülerzahlen (Pillenknick) neu eingeteilt. Es entstand die jetzt gültige Zusammenlegung mit der Volksschule Böhmfeld, die Grundschule Böhmfeld-Hitzhofen.

Die Schule in Hofstetten, seit 1967 leerstehend, wurde 1971 als Kindergarten eingerichtet. Nach einer Erweiterung durch die Gemeinde Hitzhofen besuchten ihn bis 1994 nun auch die Kinder aus Hitzhofen und Oberzell.

1904 hatte der Ort Hitzhofen als erste ländliche Gemeinde des damaligen Bezirksamtes bereits eine Wasserleitung. Gespeist wurde sie vom Willibaldsbrünnlein. Diese erste Wasserleitung konnte damals freilich nur wenige, tiefer gelegene Häuser an der heutigen Hauptstraße versorgen. In den Jahren 1951 bis 1953 errichtete der neu gebildete Zweckverband zur Wasserversorgung mit den Gemeinden Böhmfeld, Hitzhofen, Hofstetten, Lippertshofen und Oberzell eine zentrale Wasserversorgung.

Bereits 1922/23 war die Versorgung der Haushalte mit elektrischem Strom erfolgt.

 

Bildnachweis: US-Nationalarchiv / Sammlung: Hans Fegert. Bildunterschrift: "Die Überquerung der Altmühl bei Gungolding der 86. US-Inf.Division am 25. April 1945"
Kriegsende

Wie der Krieg nach Hofstetten und Hitzhofen kam

Ein Bericht von Peter Leuschner

Um den 25. April 1945 eroberten US-Einheiten die ersten Dörfer im Kreis Eichstätt. In Hofstetten befreiten sie 1200 verschleppte Kriegsgefangene

Es hätte symbolträchtiger nicht sein können: Nach viertägigen blutigen Kämpfen hielten Einheiten der 3. US-Infanterie-Division am 20. April 1945 auf dem Nürnberger Hauptmarkt inmitten der Trümmer der weitgehend zerstörten Stadt der Reichsparteitage eine Siegesparade ab – genau an Adolf Hitlers 56. Geburtstag, seinem letzten. Nur wenige Tage später ging auch in den Dörfern rund um Eichstätt das „Tausendjährige Reich“ zu Ende. Besonders dramatisch war dieses Ende in Hofstetten – weil amerikanische Verbände das mit  rund 1200 Kriegsgefangenen überfüllte und von SS-Soldaten verteidigte 400-Seelendorf massiv unter Beschuss nahmen. Wie durch ein Wunder aber entging der Ort einer Katastrophe. Der damalige Ortsgeistliche Joseph Pfaller, Jahrgang 1901, führte nicht nur über diese schreckliche Zeit ein heute im Pfarramt Hitzhofen verwahrtes Tagebuch.

Tag für Tag, so schrieb der spätere Bischöflich Geistlicher Rat Pfaller, ein gebürtiger Pollenfelder, sei Hofstetten seit Anfang April 1945 mit zurückflutenden deutschen Truppen überfüllt gewesen. Dazu kamen ausgebombte Familien aus Ingolstadt und dem Saarland. Im örtlichen Schloss, seit 1861 Forstamt, war ein adeliger Ex-General des Ersten Weltkriegs aus Köln mit seiner Frau gestrandet.

Ein Schock muss für die überwiegend aus Frauen, alten Männern und Kindern bestehende Bevölkerung die Ankunft der etwa 1200 Kriegsgefangenen aus dem Raum Schweinfurt am 19. April 1945 gewesen sein.  Sie wurden von den Wachmannschaften der Wehrmacht auf mehrere größere Scheunen verteilt. 600 Franzosen kamen gegenüber vom Schloss beim Mogl unter, wo anders 300 russische Offiziere, 200 Belgier sowie Serben, Kroaten, Polen und Italiener. Möglicherweise waren die Gefangenen als „Faustpfand“ vor den aus Westen anrückenden Amerikanern hinter die sich ständig verändernden Frontlinien getrieben worden.

Den Hofstetter Pfarrer Joseph Pfaller, der bis 1939 Kaplan in Ingolstadt St. Anton gewesen war, und Bürgermeister Xaver Schöpfel stellten sie vor fast unlösbare Probleme – nicht nur was die Versorgung von so vielen ausgezehrten Männern betrifft. Den Seelsorger trieb auch die Sorge vor möglichen Plünderungen und Racheakten nach der Befreiung der Kriegsgefangenen durch die Amerikaner um.

Heimlich knüpfte er Kontakt zu den Vertrauens-Leuten der Gefangenen, zu denen der Russen und vor allem zu zwei katholischen Militärgeistlichen, die unter den Franzosen waren. Am 24. April 1945 kündete sich auch für Hofstetten das Kriegsende an. Erste Verbände des 342. US-Regiments hatten in Pfünz auf der historischen Steinbrücke mit ihren Panzern die Altmühl überquert, andere hatten Gungolding erreicht, nur für Stunden gestoppt von SS-Leuten, deren sinnloser Befahl es war, eine Altmühlfront zu halten – um das rasche Vordringen der Amerikaner nach München, der „Hauptstadt der Bewegung“, und zur „Alpenfestung“ am Obersalzberg zu verhindern.

Nach den Recherchen des Ingolstädter Heimatforschers und Autors Hans Fegert („Luftangriffe auf Ingolstadt“) dürften die Verteidiger der erst am 27. März aufgestellten SS-Division „Nibelungen“ angehört haben. Am 25. April, dem „Markustag“, wie Pfarrer Pfaller vermerkte, überschlugen sich die Ereignisse. In größter Hektik richteten etwa 50 bis 70 Angehörige der SS in Hofstetten im Gasthof Krieglmeyer einen Gefechtsstand ein, Funktrupps besetzten den Kirchturm und den 16 Meter hohen Bergfried des Schlosses. Gegen 11.30 Uhr schoss sich amerikanische Artillerie auf das Dorf ein. Bange Stunden begannen, auch für die 1200 Gefangenen, deren Bewacher in der Nacht zuvor verschwunden waren. Schon die zweite Salve ging „seitwärts vom Schlossgarten nieder“. Ein belgischer Gefangener starb, ein anderer wurde verwundet.

Dann geschah das „Wunder“. Der Beschuss hörte auf, nur gegen 16.30 Uhr nochmal einige Granaten.  Kurz vor 22 Uhr rückten die ersten US-Soldaten in Hofstetten ein – nachdem sich auch die SS-Einheit abgesetzt hatte. Der Pfarrer notierte stenogrammartig, dass die Amerikaner durch einen Stoßtrupp von den vielen Gefangenen erfahren hätten und deshalb das Dorf verschonten. Hans Fegert hat den geheimen Funkverkehr der vorstoßenden Amerikaner ausgewertet, der im National-Archiv in Washington zugänglich ist. „Haben um 21.52 Uhr Hofstetten eingenommen. Die G-Kompanie wurde zeitweilig durch eine Straßensperre bei Hitzhofen aufgehalten.“ Um 23.50 Uhr: „Warten in Hitzhofen auf Panzer. Bereit zum Vorstoß...“  Bereits um 22 Uhr war von Hofstetten aus ein Funkspruch an einen der Kommandeure in dessen zeitweiligen Gefechtsstand in Pietenfeld gegangen: „Mein Boss sagt, wir müssen bei Tagesanbruch im Gelobten Land sein. Reißt euch zusammen.“ Damit war gemeint, dass die Amerikaner bereits am frühen Morgen des 26. April die Donau in Ingolstadt überquert haben wollten – mit dann freier Fahrt Richtung München. Auch den Nazis war das „gelobte Land“ südlich des Flusses wichtig. Paul Giesler, letzter Gauleiter von Oberbayern, hatte die Parole ausgegeben: „Bayern wird an der Donau und München in Ingolstadt verteidigt.“

Und auch das gehört zur Geschichte des Hofstetter Kriegsendes: Am 28. April 1945 wurde eine aus Ingolstadt evakuierte 22-Jährige von „zwei betrunkenen Negerposten“, wie der Pfarrer schrieb, in „ganz grober Weise“ zwei Mal vergewaltigt. Außerdem hielt er auf seiner Reiseschreibmaschine fest: „Ein amerikanischer Posten erschoss grundlos zwei deutsche Soldaten, die ohne Waffen auf dem Marsch in die Heimat waren.“ Später korrigierte er seinen Text handschriftlich: „Der Amerikaner überließ die zwei deutschen Soldaten einem russischen Gefangenen, der dann die beiden erschoss am Wald gegen Pfünz...“ Wer nun wirklich geschossen hat, werden wir nie mehr erfahren. Die beiden Erschossenen, einer hieß Albert Steiner und war aus Berching, wurden mit drei am Dorfrand gefallenen SS-Männern unter „Anteilnahme der ganzen Bevölkerung“ auf dem Hofstetter Friedhof beerdigt.

Die weitere Anwesenheit der befreiten 1200 Kriegsgefangenen barg große Brisanz. Aber Pfarrer Pfaller notierte erleichtert: „Es kam zu keinerlei Ausschreitungen.“ Dass dieses schier unlösbare Problem gelöst werden konnte, war „ein Verdienst von Bürgermeister Schöpfel, dem die ganze Bevölkerung hilfsbereit zur Seite stand“. Mit einem Trick wurde der Geistliche nach drei langen Wochen die meisten Gefangenen endlich los. Pfaller erzählte ihren Vertrauensleuten von einer „viel reicheren Gemeinde“ namens Gerolfing, wo sie es viel besser als in Hofstetten haben würden. Doch aus Gerolfing wurde schließlich Buxheim. Lange danach hat er seinem dortigen katholischen Amtsbruder diese „Notlüge“ gebeichtet.

Leider enthält ein anderes in Hofstetten erhaltene Dokument keinerlei Aufzeichnungen über das Hofstetter Kriegsende: Das ab 1861 geführte Berichtsheft der im Schloss untergebrachten Forstbehörde. Für die Jahre 1943, 1944, 1945, 1946, 1947 und 1948  haben die jeweiligen Forstmeister nur mit Tinte ein ominöses „0“-Zeichen eingetragen. Schade! Denn auch das Flüchtlings-Drama, das dem von den Nazis angezettelten Weltkrieg folgte, traf das Schloss. Sowohl der Rittersaal im II. Stockwerk wie das Erdgeschoss waren zeitweise überfüllt mit Entwurzelten. Die letzte Familie blieb bis Anfang der 1960er Jahre.

Peter Leuschner

 

 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges setzte ein starker Bevölkerungsaufschwung ein. Viele Heimatvertriebene blieben in der Gemeinde und errichteten Häuser.  Die neuere Geschichte ist von vielerlei gemeindlicher Bautätigkeit geprägt. So erfolgte 1960 die erste Erweiterung der Volksschule Hitzhofen. Aufgrund eines beachtlichen Bevölkerungswachstums mußte bereits 1965 die Schule erneut erweitert und angebaut werden. Der neue Friedhof wurde 1964 errichtet. 1967 entstand eine Gemeindeverwaltung mit angebautem Feuerwehrgerätehaus. Ebenfalls im Jahre 1967 weihte der Abt von Plankstetten die neu errichtete Bruder-Klaus-Kirche ein. Im gleichen Jahr feierte der Neupriester Hochw. Pater Anton Strobl in Hitzhofen seine Primiz. Er verstarb am 13.03.2001. Pater Anton Strobl gehörte dem Orden der Herz-Jesu-Missionare an.

In den Jahren 1971-1975 erfolgte der Bau der neuen Abwasserbeseitigungsanlagen. Anschließend wurden die Ortsstraßen ausgebaut und mit Gehwegen versehen

Zum 01.01.1971 kam die freiwillige Eingemeindung von Oberzell mit dem Gut Mühltal in die Gemeinde Hitzhofen zustande. Im Zuge der Gebietsreform erfolgte am 01.07.1972 die Eingliederung Hitzhofens mit dem Landkreis Eichstätt in den Regierungsbezirk Oberbayern, nachdem es seit 1838 zu Mittelfranken gehört hatte. Seit der zweiten Gebietsreform im Jahre 1978 bilden nun Hitzhofen, Oberzell und Hofstetten eine Einheitsgemeinde.  Zum gleichen Zeitpunkt wurde Hitzhofen in die Verwaltungsgemeinschaft mit Eitensheim, Böhmfeld und Buxheim eingegliedert. Die Wiederausgliederung aus der VG Eitensheim konnte zum 01.01.1994 erreicht werden.

Von 1986 bis heute wurden, ähnlich wie in den 70er Jahren, erhebliche Investitionen getätigt. In Hofstetten wurden die Kanalleitungen erneuert und 1988 ein Feuerwehrhaus neu errichtet. Die beiden Freiwilligen Feuerwehren in Hofstetten und Hitzhofen erhielten moderne Löschfahrzeuge. Das bestehende Schulgebäude mußte von Grund auf renoviert und erweitert werden.

Die Gemeinde baute danach in Hitzhofen einen dreigruppigen Kindergarten neu. Gleichzeitig ließ die Pfarrei ein Pfarrheim mit Bücherei und Jugendräumen erstellen. In Hofstetten erfolgte der Umbau und die Sanierung des Kindergartengebäudes.

Das alte, aus dem Jahre 1905 stammende Schulgebäude, wurde 1994/1995 in ein repräsentatives Rathaus umgebaut und am 31.03.1995 eingeweiht.

In den Jahren 1999 bis 2001 wurde die Kläranlage Hofstetten mit einem erheblichen Kostenaufwand saniert und erweitert. Zudem musste eine verrohrte Ableitung zur Altmühl gebaut werden.

Die umfangreichen Baumaßnahmen in der Gemeinde wurden mit dem Bau eines Feuerwehrgerätehauses mit Bauhof und Schützenkeller in Hitzhofen fortgesetzt. Die Einweihung erfolgte am 15.09.2002. 

Sporthalle Hitzhofen

Der lang gehegte Wunsch der Bürgerinnen und Bürger, nämlich der Bau einer Sporthalle, konnte im Jahre 2003 realisiert werden. Seitdem wird sie vor allem in den Wintermonaten stark frequentiert.

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